[Comic-Rezension] Dragon Age: Magekiller

covermagekiller

Im Folgenden möchte ich den Comic Dragon Age: Magekiller rezensieren, der, wie offensichtlich sein sollte, in der Welt des Dragon Age-Franchise spielt. Es ist ein Trade Paperback, welches die fünf Heftausgaben (erschienen zwischen Dezember 2015 und April 2016) gleichen Namens sammelt und am 27. Juli 2016 im Dark Horse-Verlag erschien. Es gibt auch eine deutsche Ausgabe, erschienen bei Cross Cult, die ich aber nicht gelesen habe, weshalb ich auch keine Bewertung zur Übersetzung werde vornehmen können.
Geschrieben wurde die Story von Greg Rucka, einem mehrfach ausgezeichneten Comicautor. Leider macht sich das, soviel vorweg, nicht bemerkbar. Die Zeichnungen stammen von Carmen Carnero.

Achtung, auch wenn ich versuche Spoiler zu vermeiden, wird doch das eine oder andere vorweggenommen!

 

Zeichnungen

Der Zeichenstil des Bandes entspricht dem, was ich den klassischen Comicstil nennen würde. Damit meine ich eben jenen Stil, in dem bspw. auch die meisten Marvel- und DC– Comics gezeichnet sind (wenn jemand einen genauen Namen für diesen Stil kennt, dann würde ich mich über eine Anmerkung in den Kommentare freuen). Ich persönlich mag die Art sehr und finde ich ist in Magekiller auch durchweg sehr gut ausgeführt, meiner Meinung nach allerdings nicht allzu detailverliebt, was ein bisschen schade ist.
Gerade in der ersten Hälfte bekommt der Dragon Age-Fan ein paar optische Eindrücke von Gebieten, die in den Spielen nicht gezeigt werden. Den Anfang macht die Stadt Hercinia in den Freien Marschen, welche allerdings ziemlich generisch geraten ist und keine besonderen Eindruck hinterlässt. Besser gelungen finden ich da schon den Teil, der in Tevinter spielt. Denn obwohl das Reich von Tevinter eine so wichtige Rolle im Hintergrund der Welt spielt, bekam man außer ein paar seiner Einwohner und Ruinen nur sehr wenig davon zu sehen. Die Gestaltung des Reiches in seiner, im Handlungsrahmen der Spiele, zeitgenössischen Ausprägung und seiner Hauptstadt Minrathous in diesem Comic freut mich und ich halte sie für durchaus gelungen.
Der die zweite Hälfte von Magekiller spielt wiederum fast ausschließlich an Orten, die man bereits aus Dragon Age: Inquisiton kennt. Leider ist das auch der Teil, in dem die Story stark abfällt (s. unten), aber auf jeden Fall ist der Zeichnerin gelungen alles so zu treffen, dass man die Orte aus dem Spiel wiedererkennen kann.
Gleiches gilt übrigens für Figuren aus Inquisition, die hier ihren Auftritt habe, ebenso wie die Darstellung der Dämonen und Venatori in Verlauf der Handlung sofort Erinnerungen an das Spiel weckt.

 

Story

Die beiden Protagonisten sind der ehemalige Sklave Marius, der von seinem Tevinter-Herren dazu ausgebildet wurde Magier zu töten (ein Magekiller halt), und Tessa Forsythia, die dem Leben als Adlige im Lande Nevarra entflohen ist. Zusammen jagen die beiden nun gegen Geld gefährliche, abtrünnige Magier. Mit einem solchen Auftrag wird man auch in die Story hineingeworfen. Der Kampf gegen die Magierin ist durchaus spannend gestaltet und nicht der letzte. Kurz darauf werden die beiden von einem Boten aus Tevinter für einem Auftrag im Reich selbst angeheuert, den sie nur einiger Überzeugungsarbeit annehmen. Dabei läuft dann von Grund auf einiges schief, nicht nur weil die Ziele sich als anders entpuppen als gedacht, sondern auch wegen ihres nicht vertrauenswürdigen Auftraggebers. Dieser Teil der Story endet damit, dass sie im Frostgipfelgebirge, weit entfernt von Tevinter, landen und sehen, wie die Bresche entsteht.
Leider geht es ab da mit der Story bergab, hauptsächlich weil es eigentlich keine mehr gibt. Tessa und Marius schließen sich der Inquistion an und man bekommt drei irgendwie nichtssagende Episoden aufgetischt, mit denen fast schon krampfhaft versucht wird die beiden Hauptpersonen in den Handlungsrahmen des Spiels einzubetten (das diese Episoden dann auch noch durch abrupte Zeitsprünge getrennt sind, hilft dem Erzählfluss auch nicht). Fast schon prätentiös werden sie beispielsweise in ein Team mit den Sturmbullen und Dorian Pavus gesteckt, um dann in der Fauchenden Ödnis Sklaven aus den Händen der Venatori zu befreien (das ist übrigens dann auch schon die ganze Geschichte dieser Episode). Bekannter Ort, bekannte Figuren, für denjenigen, der DA: Inquisition gespielt haben. So ein Wiedersehen könnte ganz nett sein, wenn es nicht zum reinen Selbstzweck verkommen würde. Das geht soweit, dass die einzelnen Gegnerklassen aus dem Spiel aufgesagt werden, als es darum geht, was für Venatori sich im Lager befinden (Venatori-Scharfschützen, Venatori-Gladiator, usw.). Dafür sind sowohl die Sturmbullen als auch Dorian charakterlich und vom Verhalten her gut getroffen.
Das Finale ist dann auch nicht der Rede wert, weil es letztlich nur aus einem Kampf besteht, von dem zwar gesagt wird, er sei bedeutend für den Erfolg einer Aktion des Inquisitors, aber es zeigt sich nicht wirklich.

 

Erzählweise und Charaktere

Die Geschichte insgesamt wird beständig von den Gedanken Tessas begleitet, die zu jeder Situation ihre Ansichten preisgibt. Das muss man nicht mögen, doch ich mochte es irgendwie, zumal man so etwas über die beiden Protagonisten und ihre Beziehung zueinander erfährt, was in der Geschichte durch Interaktion nur unzureichend geliefert wird.
Leider bleiben beide Charaktere recht flach: Tessa, obwohl wir Einblick in ihre Gedanken kriegen, und Marius, den man eigentlich nur durch ihren Filter kennenlerne und der sich immer recht schweigsam gibt, nochmal deutlicher. Zudem wirken Marius Kampffähigkeiten „over the top“.

 

Fazit

Insgesamt war Magekiller eher eine Enttäuschung. Am Anfang hatte die Geschichte rund um die Handlungen der Charaktere in Tevinter noch Potential, nur wurde dieser Erzählungsstrang schon nach der Hälfte des Bandes vollständig geschlossen. Hätte man ihn hingegen auf den kompletten Band ausgedehnt, wäre eine Runde Sache daraus geworden. Stattdessen wird man anschließend mit ein paar inhaltslosen Episoden, die letztlich nur den Rahmen für je einen weiteren Kampf bieten, sitzen gelassen.
Man merkt zu diesem Zeitpunkt schon, dass der Autor auf biegen und brechen versucht hat, den Comic und seine Protagonisten in die Ereignisse des Spiels Dragon Age: Inquisiton einzufügen. Vielleicht war genau das auch seine Vorgabe. Leider wirkt dieses Bemühen an jeder Stelle genau so: Bemüht! Es wurde die Chance vertan das Dragon Age-Franchise um etwas eigenständiges zu erweitern und die Hintergründe im Spiel näher zu beleuchten.
So kann ich Magekiller letztlich DA-Fans nicht wirklich empfehlen, denn sie werden nicht viel neues zur Welt Thedas erfahren, von ein paar optischen Eindrücken abgesehen. Es ist glaube ich deutlich geworden, dass ich diese Rezension aus genau einer solchen Fan-Perspektive geschrieben habe. Das ist aber fast schon nötig, denn im Comic wird wenig erklärt zu den Hintergründen der Handlung. Nicht was Tevinter so besonders macht, was die Bresche eigentlich ist oder generell irgendetwas was nötig wäre, um der Handlung irgendeinen Rahmen zu geben, wenn man sich eben nicht mit Dragon Age halbwegs auskennt. Für genau so jemanden kann ich den Comic überhaupt nicht empfehlen, weil es fast unmöglich sein wird zu irgendetwas des Geschehens eine Verbindung aufzubauen.

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